Unsere Gründungsurkunde

Angeregt durch die Maskenbälle und das allgemeine Karnevalstreiben schloß sich im Jahre 1965 eine kleine Gruppe Jugendlicher (15jährige) zusammen, um einen Karnevalsverein zu gründen. Hauptinitiator dieses Vereins war der damals 58jährige Fritz Eichler, der einen Teil dieser jungen Leute aus seinem Familienkreis kannte und sie dazu anfeuerte. Im Februar 1965 war es dann soweit. Jürgen und Gerd Ruhl setzten, assistiert von Manfred Dickel und Wolfgang Gojdka, eine Gründungsurkunde auf und gründeten den Verein. Fast die ganze Jahrgansgruppe schloß sich diesem Verein binnen weniger Tage an.

Es ging gar lustig zu in diesen Gründertagen. Man hatte zwar erst einmal einen Verein gegründet, aber wie das Ganze eigentlich werden sollte, wußten die jungen Leute noch nicht. Es fehlten Erfahrungen und Geldmittel. Lediglich in der Idee war man sich einig. Also fingen die jungen Leute an, Vereinsarbeit zu leisten. Man wählte oder bestimmte einen Vorstand und legte einen Mitgliedsbeitrag fest: im Monat 50 Pfennig.

Ziel des Vereines sollte die Pflege der dörflichen Geselligkeit, des Dialektes und des Frohsinns auf karnevalistischer Basis sein. Man vereinbarte, in der nächsten Karnevalskampagne eine Kappensitzung (Fremdensitzung genannt) durchzuführen. So geschah es dann auch.

In der Karnevalskampagne 1965/66 fand am 29. Januar 1966 die erste „Fremdensitzung“ statt. Doch bis es soweit war, mußte noch viel geschehen. Da der Verein ja überwiegend aus Jugendlichen bestand, mußte die Veranstaltung als „geschlossene Gesellschaft“ deklariert werden (alle Gäste wurden in einer Gästeliste erfaßt), und einige Väter mußten als haftende Veranstalter bei der Gemeinde unterschreiben.

Alle Vereinsmitglieder packten mit an, und so wurde am Samstag, dem Tag der Veranstaltung, morgens um 6 Uhr mit der Bühnen- und Saaldekoration begonnen. Nachmittags wurden die ersten Bühnenproben überhaupt durchgeführt, und am Abend war dann die Veranstaltung selbst.

Um die Kosten für die Veranstaltung zu decken, mußte jedes Vereinsmitglied 4 Eintrittskarten zum Preis von à 1,75 DM verkaufen. Gar manche Großeltern haben Eintrittskarten gekauft, ohne jemals die Veranstaltung besucht zu haben.

Aber auch bei den Orden, die ja zu einer richtigen Fremdensitzung gehören, haperte es. Der Verein konnte es sich nicht leisten, mehr als 5 Leichtblechorden zu kaufen bzw. bei anderen Vereinen auszuleihen. So wurden die einmal verliehenen Orden während der Sitzung wieder eingesammelt und weiterverliehen, bis jeder Beteiligte einmal auf der Bühne einen Orden – im wahrsten Sinne des Wortes – verliehen bekommen hatte.

Doch die vielen Hindernisse konnten überwunden werden, und die Jugendlichen boten für die damaligen bescheidenen Verhältnisse ein abwechslungsreiches, buntes Programm mit Reden, Ballett und Musik nach dörflicher Manier.

Sogar der damalige Bürgermeister Weber, der bekannterweise kein Festgänger war, ließ es sich nicht nehmen, an dieser ersten „Zeppesitzung“ teilzunehmen.

„Carneval Club Zeppe“ so nannte sich dieser junge Verein nach dem Ort der Vereinsgründung. Zeppe ist Mundart und bedeutet soviel wie Zipfel.

Zipfel – Zeppe – nennt man in Angersbach den letzten Teil der Lauterbacher Straße, wo die beiden Gründer, Jürgen und Gerd Ruhl, wohnen und den Verein gegründet haben.

Akteure und Zuschauer waren von dem Dargebotenen begeistert, zumal in Angersbach derartige Veranstaltungen seit Mitte der fünfziger Jahre nicht mehr geboten wurden.

Von nun an ging es mit dem Zeppe steil bergauf. Die Zahl der Mitglieder wuchs stetig (von anfänglich ca. 15 sind es heute ca. 500 Vereinsmitglieder), auch immer mehr Erwachsene schlossen sich dem Zeppe an, so daß sich der Carneval Club Zeppe zu einem etablierten Verein mauserte und die Fremdensitzungen des CCZ zu einem festen Bestandteil des Angersbacher Ortsgeschehens wurden. Seit der Kampagne 1969/70 wurde neben dem närrischen Komitee, dem Siebenerrat, der schon seit der ersten Sitzung im Jahre 1966 existierte, ein Prinzenpaar ins Leben gerufen. (Übrigens hat der Zeppe nur deshalb einen Siebenerrat und keinen Elferrat, weil man auf der Bühne damals schlicht und einfach nur für sieben Stühle Platz hatte.)

Bei der Programmgestaltung wurde von Anfang an bis zu den heutigen Veranstaltungen hin Wert darauf gelegt, daß das örtliche Geschehen und die heimische Erlebniswelt sowie der Dialekt einen möglichst breiten Raum einnehmen. Aber auch die sprichwörtliche Sangesfreude der Angersbacher kommt beim Zeppe-Karneval nicht zu kurz.

Beim Zeppe gehört es schlichtweg zum guten Ton, daß bei den Darbietungen das Publikum im Saal kräftig mitmacht. Gar mancher Nicht-Angersbacher neidet deshalb die Angersbacher Zeppe-Stimmung. Einzel-, Duo- oder Gruppenauftritte in Angersbacher Mundart, die auf das Dorfgeschehen und die ländliche Art zu leben abheben, gehören beim Zeppe zum Standardprogramm und begeistern das närrische Publikum.

Seit Jahren sind die Verantwortlichen des Zeppe darum bemüht, die jeweilige Kampagne unter ein ortsbezogenes Motto zu stellen. Name und Trinkspruch des Prinzenpaares, Bühnendekoration, die in mühevoller und künstlerischer Arbeit dem Motto angepaßt wird, und Motiv des Kampagneordens, der in Eigenregie als Tonmodel hergestellt wird, bilden eine Einheit.

Daß bei den Zeppesitzungen etwas los war, hatte sich dann schnell herumgesprochen. Eine Sitzung reichte nicht mehr aus, um des Publikumandranges Herr zu werden. Seit 1981 werden 2 Fremdensitzungen an einem Wochenende (Freitag/Samstag) durchgeführt. Dies liegt nicht zuletzt auch daran, daß bei einer Fremdensitzung etwa 120 – 130 Aktive mitwirken. Das immer wieder auftauchende Problem der Eintrittskarten konnte bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht optimal gelöst werden, da der Bedarf größer ist als das Angebot.

Aber auch im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist der Zeppe aktiv. Eine Kinder- und Jugendsitzung, die sonntagnachmittags stattfindet und eine Programmdauer von etwa 3 Stunden hat, gehört seit 1975 zu den regulären Veranstaltungen des Vereins.

Genau wie bei den Erwachsenen wird hier ein buntes und abwechslungsreiches Programm mit Ballett, Gesang, Sketchen, Reden und Musik geboten.

Neben den Fremdensitzungen werden von den Mitgliedern des Zeppe noch eine ganze Reihe von Aktivitäten im Bereich des Karnevals durchgeführt.

Die Eröffnung der Karnevalskampagne wird jeweils mit der Proklamation des Prinzenpaares eingeleitet. Rathausstürmung, Aktivenbesprechung, Prinzenaktion (im Rahmen des gesamtwartenberger Anliegens findet diese in beiden Ortsteilen statt) und die Herausgabe einer Karnevalszeitung gehören mittlerweile zum Standardprogramm des CCZ.

Bei der Karnevalszeitung handelt es sich um eine karnevalistisch aufgemachte Broschüre, die dörfliches Geschehen in Wort und Bild glossiert. Dieses „Zeppe-heft“ – so wird es im Dorf genannt – finanziert sich durch Anzeigen der heimischen Wirtschaft und wird kostenlos an alle Haushaltungen in Wartenberg (Angersbach und Landenhausen) verteilt.

In Zusammenarbeit mit dem Turnverein wird ein gemeinsamer Rosenmontagsball veranstaltet. Schul-, Bank-, Sparkassen- und Kindergartenstürmung bilden meist den offiziellen Abschluß einer Karnevalskampagne.

Mit einer Aktivenfeier, zu der alle Aktiven einer Kampagne nebst je einem Partner eingeladen werden, bedankt sich dann der Verein für die geleistete Arbeit.

Der Zeppe ist aber nicht nur in Wartenberg bekannt. Mit den Karnevalisten in Lauterbach, Schlitz, Maar und Grebenhain werden gutnachbarliche Kontakte gepflegt. Die vielen Besuche und Gegenbesuche sowie das jährliche Karnevalistentreffen sind Ausdruck der Beziehungen.

Im Frühjahr 1973 wurde der Carneval Club Zeppe in das Vereinsregister beim Amtsgericht Lauterbach eingetragen, so daß er nun den Namen „Carneval Club Zeppe 1965 Angersbach e. V.“ trägt.

Aber auch auf dem außerkarnevalistischen Bereich ist der Zeppe schon immer aktiv.

Wenn nun der Verein im Mai 1990 sein 25-jähriges Bestehen feiert, kann man feststellen, daß sich aus dem anfänglichen „Jonge-Club“ („Burschen-Club“) ein ansehnlicher Verein entwickelt hat, der seinen festen Platz in der Wartenberger Öffentlichkeit und im Vogelsberger Karnevalsgeschehen hat.